Fisch waidgerecht betäuben, töten und zurücksetzen
Kurz gesagt: Ein Fisch, den du mitnimmst, wird zuerst mit einem kräftigen Schlag mit dem Schlagholz auf den Kopf oberhalb der Augen betäubt, sofort danach durch Herzstich oder Kiemenrundschnitt getötet und erst dann abgehakt. Ausnahmen gelten nur für Aal und Plattfische. Fische, die zurück müssen, fasst du nur mit nassen Händen an und hakst sie möglichst im Wasser ab.
Wer angelt, geht mit lebenden Tieren um. Das Tierschutzgesetz verlangt, dass ein Fisch, der mitgenommen wird, schnell und ohne vermeidbare Schmerzen getötet wird, und dass ein Fisch, der zurück ins Wasser muss, so schonend wie möglich behandelt wird. Beides lernt man in der Fischerprüfung, und trotzdem passieren am Wasser immer wieder Fehler. Bei Kontrollen in Mecklenburg-Vorpommern stellte das zuständige Landesamt fest, dass viele Angler ihre Fische zwar betäubten, aber anschließend nicht durch Herzstich oder Kiemenschnitt töteten.
Hier findest du die richtige Reihenfolge Schritt für Schritt, die Sonderregeln für Aal und Plattfische und alles zum schonenden Zurücksetzen.
Was schreibt das Gesetz vor?
Grundlage ist das Tierschutzgesetz: Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Wie Fische getötet werden müssen, regelt die Tierschutz-Schlachtverordnung im § 12 TierSchlV. Danach muss ein Fisch unmittelbar vor dem Töten mit einem zugelassenen Verfahren betäubt werden. Für Angler ist das der Schlag auf den Kopf. Wer mit Blutentzug tötet, muss sofort nach dem Betäuben damit beginnen, solange der Fisch noch bewusstlos ist.
Daraus ergibt sich die feste Reihenfolge, die für jeden Fisch gilt, den du entnimmst:
- Betäuben mit dem Schlagholz
- Töten durch Herzstich oder Kiemenrundschnitt
- Abhaken
Was brauche ich dazu am Wasser?
- Schlagholz: ein schwerer, handlicher Holzknüppel zum Betäuben. Er gehört bei jedem Angeltag griffbereit neben die Rute.
- Scharfes Messer mit spitzer Klinge für Herzstich oder Kiemenrundschnitt.
- Kescher mit gummiertem Netz: schont Schleimhaut und Flossen und verhakt sich nicht mit dem Köder.
- Lange Lösezange und Seitenschneider für tief sitzende Haken.
- Abhakmatte und etwas Wasser, um Hände und Matte nass zu halten.
- Maßband, um Mindestmaß oder Höchstmaß sofort zu prüfen.
- Kühltasche, damit der Fang frisch bleibt.
Wie betäube ich einen Fisch richtig?

- Den Fisch sicher fixieren, am besten mit einem nassen Tuch oder auf der Abhakmatte, damit er nicht wegrutscht.
- Mit dem Schlagholz einen kräftigen, gezielten Schlag auf den Kopf oberhalb der Augen setzen. Dort liegt das Gehirn.
- Zeigt der Fisch danach noch kontrollierte Bewegungen, sofort einen zweiten Schlag setzen. Ein zögerlicher Schlag ist schlimmer als ein kräftiger.
- Ohne Pause mit dem Töten weitermachen, denn die Betäubung hält nicht ewig an.
Zuckungen nach einem korrekten Schlag sind normal. Sie kommen aus dem Rückenmark und bedeuten nicht, dass der Fisch noch etwas spürt. Entscheidend ist, dass du direkt danach tötest.
Wie töte ich den Fisch nach dem Betäuben?
Getötet wird sofort nach dem Betäuben, entweder durch Herzstich oder durch Kiemenrundschnitt. Beide Methoden führen zum schnellen Ausbluten.
Herzstich
Das Herz liegt beim Fisch auf der Bauchseite, weit vorn in der Kehle zwischen den Kiemen und vor den Brustflossen. Mit einer spitzen Messerklinge stichst du dort hinein. Der Herzstich ist schnell, setzt aber voraus, dass du die Lage des Herzens bei der jeweiligen Fischart sicher kennst.
Kiemenrundschnitt
Beim Kiemenrundschnitt durchtrennst du die Kiemenbögen auf beiden Seiten, dort wo sie am Kopf ansetzen. Der Fisch blutet dadurch schnell aus. Wer sich beim Herzstich unsicher ist, ist mit dem Kiemenrundschnitt auf der sicheren Seite, weil man ihn kaum verfehlen kann. Das Ausbluten verbessert außerdem die Qualität des Fleisches.
Gilt für jeden Fisch: Egal ob Hecht, Zander, Karpfen oder Rotauge: Wird ein Fisch mitgenommen oder muss er entnommen werden, kommt zuerst das Betäuben mit dem Schlagholz, dann das Töten durch Herzstich oder Kiemenrundschnitt und erst danach das Abhaken. So leidet der Fisch nicht unnötig, und du hast beim Lösen des Hakens kein zappelndes Tier in der Hand.
Gibt es Ausnahmen für Aal und Plattfische?
Ja. Die Tierschutz-Schlachtverordnung erlaubt zwei Ausnahmen von der Betäubungspflicht:
- Aale dürfen ohne vorherige Betäubung durch einen Stich, der die Wirbelsäule dicht hinter dem Kopf durchtrennt, und das sofortige Herausnehmen der Eingeweide einschließlich des Herzens getötet werden. Das gilt nur, solange höchstens 30 Aale pro Tag gefangen und so verarbeitet werden.
- Plattfische wie Flunder oder Scholle dürfen ohne vorherige Betäubung durch einen schnellen Schnitt getötet werden, der Kehle und Wirbelsäule durchtrennt.
Für alle anderen Fischarten bleibt es bei der Reihenfolge betäuben, töten, abhaken.
Wann muss ich einen Fisch zurücksetzen?
Das Angeln dient in Deutschland der Verwertung des Fangs. Zurückgesetzt werden müssen Fische,
- die das Mindestmaß nicht erreichen,
- die ein vorgeschriebenes Höchstmaß oder Entnahmefenster überschreiten,
- die während ihrer Schonzeit gefangen wurden,
- die ganzjährig geschützt sind.
Das gezielte Angeln mit dem Vorsatz, jeden Fisch wieder zurückzusetzen, also Catch and Release, ist dagegen nicht erlaubt. Der Landesfischereiverband Baden-Württemberg weist darauf hin, dass es zwar im Ermessen des Anglers liegt, einen Fisch auch mal zurückzusetzen, daraus aber kein Ritual werden darf. Vernünftige Gründe für das Zurücksetzen eines maßigen Fisches können zum Beispiel eine bereits erreichte Fangmenge sein. Mehr dazu im Positionspapier des Deutschen Angelfischerverbands.
Wie setze ich einen Fisch schonend zurück?

Ein Fisch, der zurück muss, soll das Gewässer möglichst unversehrt wieder verlassen. Darauf kommt es an:
- Nur mit nassen Händen anfassen. Trockene Hände, Handschuhe oder ein trockenes Tuch verletzen die Schleimhaut, die den Fisch vor Pilzen und Krankheitserregern schützt.
- Möglichst im Wasser abhaken, im Kescher oder auf einer nassen Abhakmatte, nie auf trockenem Gras, Sand oder Steinen.
- Kiemen nicht berühren und den Fisch nicht am Kiemendeckel hochheben.
- Schnell arbeiten: Haken mit der Lösezange lösen, Drillinge bei Bedarf mit dem Seitenschneider kürzen statt lange zu hebeln.
- Tief geschluckter Haken: Muss der Fisch zurück, das Vorfach lieber nah am Maul abschneiden, als den Haken mit Gewalt herauszureißen.
- Im Wasser halten, bis der Fisch von selbst davonschwimmt, im Fließgewässer mit dem Kopf gegen die Strömung.

Fische aus großer Tiefe, etwa Zander oder Barsche, die aus mehr als zehn Metern schnell nach oben geholt werden, können durch den Druckunterschied geschädigt werden. Wer in tiefem Wasser angelt, sollte das bei der Wahl der Angelstelle bedenken, denn ein solcher Fisch überlebt das Zurücksetzen oft nicht.
Wie versorge ich den Fang nach dem Töten?
Nimm den Fisch möglichst bald aus und lagere ihn kühl, am besten in einer Kühltasche mit Kühlakkus oder Eis. In der Sonne oder im warmen Eimer verdirbt das Fleisch schnell. Achte außerdem auf die Fangbuch- und Meldepflichten, die viele Vereine und Bundesländer vorschreiben.
Welche Fehler passieren beim Betäuben und Töten am häufigsten?
- Betäubt, aber nicht getötet: Der Fisch erwacht wieder und erstickt langsam. Nach dem Schlag muss immer sofort der Herzstich oder Kiemenrundschnitt folgen.
- Erst abhaken, dann töten: Der Fisch zappelt minutenlang, und der Haken verletzt ihn zusätzlich.
- Zu zaghafter Schlag: Lieber einmal kräftig als dreimal halbherzig.
- Kein Schlagholz dabei: Improvisieren mit Steinen oder dem Rutengriff führt selten zu einer sauberen Betäubung.
- Trockene Hände beim Zurücksetzen und zu lange Fotopausen außerhalb des Wassers.
Häufige Fragen
In welcher Reihenfolge tötet man einen Fisch?
Zuerst wird der Fisch mit einem kräftigen Schlag mit dem Schlagholz auf den Kopf oberhalb der Augen betäubt. Unmittelbar danach wird er durch Herzstich oder Kiemenrundschnitt getötet. Erst dann wird der Haken gelöst. Ausnahmen gelten nur für Aal und Plattfische.
Was ist besser, Herzstich oder Kiemenrundschnitt?
Beide sind zulässig und führen zum schnellen Ausbluten. Der Herzstich setzt voraus, dass man die Lage des Herzens sicher kennt. Der Kiemenrundschnitt, bei dem die Kiemenbögen auf beiden Seiten durchtrennt werden, ist kaum zu verfehlen und deshalb für weniger Geübte die sicherere Wahl.
Wie wird ein Aal waidgerecht getötet?
Aale dürfen laut Tierschutz-Schlachtverordnung ohne vorherige Betäubung durch einen Stich, der die Wirbelsäule dicht hinter dem Kopf durchtrennt, und das sofortige Herausnehmen der Eingeweide samt Herz getötet werden, solange höchstens 30 Aale pro Tag so verarbeitet werden.
Welche Fische muss ich zurücksetzen?
Fische unter dem Mindestmaß, über einem vorgeschriebenen Höchstmaß, während ihrer Schonzeit gefangene und ganzjährig geschützte Arten. Welche Maße und Zeiten gelten, regeln die Fischereiverordnung deines Bundeslandes und die Gewässerordnung.
Warum soll man Fische nur mit nassen Händen anfassen?
Fische sind von einer Schleimschicht überzogen, die sie vor Pilzen, Parasiten und Krankheitserregern schützt. Trockene Hände oder Tuch reißen diese Schicht auf. Ein Fisch, der zurückgesetzt wird, hat mit verletzter Schleimhaut deutlich schlechtere Überlebenschancen.
Waidgerechtes Angeln heißt, dem Fisch mit Respekt zu begegnen, ob er in der Küche landet oder zurück ins Wasser darf. Wie das bei einzelnen Fischarten aussieht, liest du in unseren Ratgebern Hecht angeln und Zander angeln. Weitere Themen zu Fischereischein, Schonzeiten und Regeln findest du im Bereich Praxis & Recht.